Vom Lagerfeuer zur Zentralheizung

Die Entwicklung der Heizung

Jahrtausendelang wärmte sich der Mensch direkt am offenen Feuer oder an der Herdflamme. In modernen Wohnhäusern ist der Heizkörper Wärmelieferant - gespeist von der Zentralheizung, deren Vorläufer im 18. Jahrhundert erfunden wurde.

Die ersten ausgefeilten Heizungssysteme gab es in der Antike:
Über verzweigte Kanalsysteme brachten die genußfreudigen Römer per Dampf wohlige Wärme in ihre Thermen. Um die wärmende Feuerstelle scharten sich die Menschen aber schon zu Urzeiten. Als unsere Vorfahren begannen Häuser zu bauen, fand das Feuer seinen Platz im Wohnbereich. Einraumhäuser, wie sie damals üblich waren, hatten einen Lehm-Fußboden; die Feuerstätte wurde in die Mitte des Raums gelegt. Sie bestand nur aus einer flachen Grube, die mit Steinen ausgelegt war. Der Rauch zog durch Fugen, Türen und Rauchlöcher im Dach ab.

Gemauerter Herd schützte vor Bränden
Die einfache Feuerstelle wurde im 8. Jahrhundert nach Christus vom Herdfeuer verdrängt. Hintergrund: Immer mehr Häuser erhielten Holzfußböden, was natürlich die Brandgefahr erhöht hätte. Also brach man die Dielen in der Mitte des Raumes auf und schichtete Steine auf. Holz und anderes Brennmaterial lagen obenauf. Eine Landgüterordnung Karls des Großen verlangte, dass in jeder Hütte und in jedem Haus ein Feuer zu brennen hatte, das stets unter Kontrolle bleiben mußte. Die offene Feuerstelle wurde noch bis ins 18. und 19. Jahrhundert fürs Kochen und Heizen genutzt. Der Herd selbst und der Rauchabzug wurden ständig verbessert. Über dem Herdfeuer hingen bald Schutzdächer aus Brettern oder Weidengeflecht, die den Rauch ableiten sollten. Es gab damals bereits gußeiserne Öfen, die Nebenräume wie Wohn- oder Schlafzimmer mit der nötigen Wärme versorgten.

1716 die erste Zentralheizung
Der Wunsch von Fürstenhäusern und Bürgertum, das Haus mit möglichst wenigen Feuerstellen optimal zu beheizen, führte im Verlauf des 18. Jahrhunderts zur Entwicklung der ersten Zentralheizungssysteme. Räume wurden zunehmend mit Warmluft, aber vor allem mit Dampf beheizt. 1716 baute der in England lebende Schwede Marten Trifvald die älteste bekannte Warmwasser-Zentralheizung für ein Treibhaus in Newcastle. Dennoch konnte sich die Zentralheizung bis in das erste Drittel des 19. Jahrhunderts nicht etablieren, allein schon aus Kostengründen. Haushalte fragten vor allem nach Einzelöfen. Neue Impulse für eine Weiterentwicklung der Zentralheizung im deutschen Raum brachten in den USA gefertigte Gußheizkessel und Radiatoren. Nach diesem Vorbild fertigte der Industrielle Körting 1875 den ersten Niederdruck-Dampfkessel mit liegend angeordneten Gußgliedern. Die ersten Füllschachtöfen - ebenfalls in den USA erfunden - erleichterten das Heizen weiter.

Die Wärmepioniere Buderus
Die Nachfrage nach Warmwasser- und Niederdruckdampfheizungen stieg in dieser Zeit gewaltig. Es wurden immer leistungsstärkere Heizkessel, Heizkörper und Rohrleitungssysteme gewünscht. Wahre Wärmepioniere waren die Brüder Buderus. Sie produzierten 1920 die ersten Stahlradiatoren sowie Pumpenwarmwasserheizungen und brachten so die Etagenheizungen in Mietshäuser. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatten die Menschen mehr Sorge, überhaupt wieder ein Dach über den Kopf zu bekommen: Zentralheizung einzubauen war da kein Thema. Bis in die 60er Jahre hatten lediglich zwölf Prozent aller Wohnungen in Deutschland eine Zentralheizung. Umweltschutz und Energieeinsparung wurden Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre immer wichtiger. Die neue Generation von Heizungsanlagen gibt erheblich weniger Stickoxide und Kohlenmonoxid ab. Mit der Heizung veränderte sich auch der Heizkörper. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden mächtige gußeiserne Rippenheizkörper gebaut, die meist im Raum und nicht, wie wir es heute kennen, unter dem Fenster standen. Abgelöst wurden die schön verzierten, aber recht klobigen Modelle von kleineren Rippenheizkörpern. Sie garantierten zwar eine bessere Wärmeausnutzung, waren aber auch nicht gerade hübsch anzusehen. Plattenheizkörper haben sich seit Anfang der 90er Jahre immer stärker durchgesetzt, in manchem Haus arbeiten inzwischen Fußbodenheizungen.

 

 

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